Wenn Narrative wichtiger sind als Fakten
- Thomas Tratnik

- 5. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Der Sturz eines Diktators ist eigentlich eine klare Sache. Ein autoritäres Regime endet, politische Gefangene hoffen auf Freiheit, Millionen Exilierte auf Rückkehr. Doch während weltweit Venezolaner feiern, herrscht in den deutschen öffentlich-rechtlichen Medien auffällige Zurückhaltung – teils sogar offener Unmut. Nicht über den Diktator, sondern über dessen Ende. Das ist kein Zufall, sondern Symptom eines tieferliegenden Problems.

Ein Mediensystem im eigenen Deutungsraum
Die öffentlichen Medien verstehen sich längst nicht mehr primär als Nachrichtenvermittler, sondern als Sinnstifter. Ereignisse werden nicht zuerst nach ihrer faktischen Bedeutung bewertet, sondern danach, ob sie in ein vorab definiertes Weltbild passen. Dieses Weltbild ist seit Jahren erstaunlich stabil: Skepsis gegenüber amerikanischer Machtprojektion, reflexhafte Distanz zu konservativen oder marktwirtschaftlichen Akteuren – und eine auffällige Milde gegenüber linken Regimen, solange sie sich antiwestlich inszenieren.
Maduro war zweifellos ein Diktator: manipulierte Wahlen, politische Verfolgung, Staatszerfall, Massenflucht. Doch diese Fakten stören das bevorzugte Narrativ. Also werden sie relativiert, sprachlich entschärft oder in geopolitische Nebelkerzen verpackt.
Sprache als politisches Werkzeug
Im öffentlich-rechtlichen Kosmos ist Sprache keine Beschreibung, sondern Positionierung. Während missliebige Politiker routiniert mit Etiketten versehen werden, bleibt Maduro meist „Präsident“. Keine „Diktatur“, sondern „umstrittene Regierung“. Keine Verbrechen, sondern „Vorwürfe“. Diese Wortwahl ist kein handwerklicher Fehler – sie ist redaktionelle Strategie. Wer Begriffe kontrolliert, kontrolliert die Wahrnehmung.
Der Anti-Trump-Autopilot
Ein weiterer Faktor wirkt wie ein dauerhafter Kurzschluss: Donald Trump. Wo Trump handelt, setzt in den öffentlichen Medien oft ein automatischer Alarm ein. Das Ergebnis ist paradox: Selbst wenn objektiv eine Diktatur endet, rückt nicht das Resultat in den Fokus, sondern der vermeintlich falsche Akteur. Der Anti-Trump-Reflex überlagert jede nüchterne Analyse. Am Ende erscheint der Diktator fast als Kollateralschaden einer „problematischen US-Aktion“.
Nähe zu Milieus, Distanz zur Realität
Redaktionen sind keine neutralen Räume. Sie bestehen aus Menschen mit ähnlichen Ausbildungswegen, ähnlichen sozialen Milieus, ähnlichen politischen Prägungen. In diesen Kreisen existiert bis heute eine gewisse ideologische Restromantik gegenüber sozialistischen Experimenten – zumindest solange sie weit genug entfernt sind. Das führt nicht zu offener Apologie, aber zu systematischer Nachsicht.
Agenda-Setting durch Auslassung
Besonders auffällig ist, was gleichzeitig kaum stattfindet: die klare Priorisierung innenpolitischer Gefahren. Terroranschläge, Sabotage kritischer Infrastruktur, reale Bedrohungen im eigenen Land werden heruntergefahren, während internationale Ereignisse ausführlich moralisch seziert werden. Das ist Agenda-Setting durch Gewichtung – und es prägt, wofür ein Publikum Aufmerksamkeit entwickeln soll.
Das eigentliche Problem
Die Öffentlich-Rechtlichen trauern nicht um Maduro als Person. Sie trauern um den Verlust eines vertrauten Deutungsrahmens. Eine Welt, in der Gut und Böse klar verteilt schienen, gerät ins Wanken. Neue Machtkonstellationen, harte geopolitische Entscheidungen und das Ende ideologischer Gewissheiten überfordern ein System, das sich an moralischer Überlegenheit orientiert, nicht an Ergebnissen.
Fazit
Was wir derzeit erleben, ist kein journalistischer Ausrutscher, sondern ein strukturelles Glaubwürdigkeitsproblem. Die öffentlichen Medien kommentieren viel, erklärt wenig und ordnet selektiv ein. Für immer mehr Bürger entsteht der Eindruck: Realität zählt nur, wenn sie ins Konzept passt.
TTV Nachrichten steht für einen anderen Ansatz: klare Analyse statt Haltungsturnen, Fakten vor Framing, Realität vor Ritual. Denn am Ende entscheidet nicht, wer das bessere Narrativ hat – sondern wer den Mut besitzt, die Dinge beim Namen zu nennen. #TTVNachrichten #Venezuela #Maduro #ÖffentlicheMedien #Medienkritik #Propaganda #DonaldTrump #FaktenStattFraming #Journalismus #ÖffentlichRechtlicherRundfunk #PolitikAnalyse #Lateinamerika #Medienkompetenz #Realitätscheck #GlobalePolitik









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