Blinder Fleck Linksextremismus – Wenn Terror verharmlost wird
- Thomas Tratnik

- 5. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Was derzeit in Deutschland unter dem Label „Aktivismus“ firmiert, hat in Teilen längst eine sicherheitsrelevante Eskalationsstufe erreicht. Der jüngste Sabotageakt auf die kritische Infrastruktur in Berlin zeigt mit brutaler Klarheit, wie verwundbar ein hochentwickelter Industriestaat ist – und wie selektiv Politik und Medien mit dieser Realität umgehen.

Ein gezielter Angriff auf die Stromversorgung einer Millionenmetropole ist kein technischer Zwischenfall, kein „Stromausfall“, sondern ein strategischer Eingriff in die Grundversorgung der Bevölkerung. Wenn Pflegebedürftige evakuiert, Senioren in Turnhallen untergebracht und ganze Stadtteile über Tage ohne Energie gelassen werden, sprechen wir nicht mehr über Protest, sondern über eine Form von politisch motivierter Gewalt mit realen Opfern.
Auffällig ist weniger die Tat selbst als die Reaktion darauf – oder genauer: das Ausbleiben einer solchen. Keine Sondersitzung, kein nationales Krisenstatement, keine klare Benennung der Täterideologie. Während bei anderen Bedrohungslagen reflexartig von „Angriffen auf unsere Demokratie“ gesprochen wird, herrscht hier kommunikative Schonhaltung. Der Eindruck verfestigt sich: Nicht jede Form von Extremismus wird mit derselben Entschlossenheit adressiert.
Ein wesentlicher Faktor ist die mediale Rahmung. Begriffe werden entschärft, Verantwortlichkeiten verwischt, Motive relativiert. Wo bei anderen politischen Rändern sofort etikettiert wird, bleibt man hier auffallend neutral. Täter werden zu „Aktivisten“, Sabotage zu „Aktionen“, Terror zu „Protestformen“. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines strukturellen Deutungsproblems.
Diese Asymmetrie wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Sie signalisiert stillschweigende Toleranz, untergräbt das Vertrauen in den Rechtsstaat und normalisiert Gewalt als politisches Mittel – solange sie aus dem „richtigen“ Milieu kommt. Dass einschlägige Plattformen seit Jahren als Kommunikationsdrehscheiben extremistischer Szenen fungieren, ohne konsequente staatliche Reaktion, verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.
Deutschland steht damit vor einer strategischen Herausforderung: Sicherheitspolitik darf nicht ideologisch selektiv sein. Wer den Anspruch erhebt, Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit zu verteidigen, muss das gegenüber allen extremistischen Bedrohungen tun – unabhängig von politischer Farbe oder gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit.
Die offene Frage lautet daher nicht, ob es ein Problem gibt, sondern warum es so konsequent kleingeredet wird. Eine wehrhafte Demokratie definiert sich nicht durch moralische Schlagworte, sondern durch konsequentes Handeln. Alles andere ist operative Selbsttäuschung.
TTV Nachrichten – weil Einordnung wichtiger ist als Haltungssimulation.









Kommentare