WEF 2026 in Davos: Elitenforum im Anpassungsschock
- Thomas Tratnik

- vor 3 Stunden
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Der diesjährige Gipfel des Weltwirtschaftsforum in Davos steht weniger im Zeichen globaler Steuerung als eines offenen Machtverlusts. Zwar ist das alpine Schaulaufen der politischen und wirtschaftlichen Spitzen erneut gut besucht – doch die Fassade eines handlungsfähigen, normsetzenden Westens bröckelt sichtbar. Der Grund dafür trägt einen Namen: Donald Trump.

1. Davos unter neuer Leitung – und ohne Deutungshoheit
Erstmals wird das WEF nicht mehr von seinem Gründer geprägt, sondern faktisch von Larry Fink, dem mächtigsten Vermögensverwalter der Welt. Diese personelle Verschiebung ist mehr als ein Detail: Sie markiert den Übergang von ideologischer Selbstinszenierung zu offener Interessenverwaltung.
Davos war nie demokratisch legitimiert, beanspruchte aber lange moralische Autorität. Dieser Anspruch ist 2026 kaum noch haltbar. Nicht, weil die Elite fehlt – sondern weil sie ihren normativen Zugriff verloren hat.
2. Trump als externer Störfaktor – und interner Katalysator
Trumps Auftritt dominiert den Gipfel. Anders als 2018 kommt er nicht als Gesprächspartner, sondern als Machtfaktor. Seine Politik stellt zentrale Prämissen infrage, auf denen das Davoser Selbstverständnis ruhte:
die Unantastbarkeit multilateraler Institutionen,
die moralische Aufladung von Klima- und Identitätspolitik,
die Rolle Europas als gleichrangiger Partner der USA.
Dass die US-Sicherheitsstrategie die EU offen als Risiko adressiert, trifft den Kern des Problems: Davos war ein Koordinationsraum westlicher Eliten – nun fehlt die gemeinsame strategische Linie.
3. Die leise Abwicklung der „progressiven“ Agenda
Auffällig ist, was 2026 kaum noch vorkommt. Klima, Diversität, Nachhaltigkeit – einst zentrale Schlagworte – sind aus den Programmen deutlich zurückgedrängt. Nicht offiziell, nicht offen, sondern geräuschlos. Die Regenbogenfahne hängt nicht mehr im Mittelpunkt, sondern am Rand.
Das ist kein ideologischer Kurswechsel aus Überzeugung, sondern Opportunismus. Wo politische Rückendeckung fehlt, werden Narrative entsorgt. Die Anpassungsfähigkeit der Davoser Agenda entlarvt ihre frühere moralische Überhöhung.
4. Die Elite ist da – aber ohne gemeinsames Projekt
Die Gästeliste bleibt imposant: EU-Spitzenpolitiker, NATO-Führung, WHO, Staatschefs aus Krisenregionen, Hunderte CEOs globaler Konzerne. Doch Quantität ersetzt kein Konzept. Was fehlt, ist ein gemeinsames Ziel jenseits der eigenen Positionssicherung.
Panels über Effizienz, Digitalisierung und bargeldlose Wirtschaft zeigen, worauf man sich noch einigen kann: Kontrolle, Zentralisierung, Steuerbarkeit. Gesellschaftliche Akzeptanz oder demokratische Legitimation spielen dabei eine untergeordnete Rolle.
5. Trumps Botschaft an Davos: Macht kennt keine Moral
Die Veröffentlichung privater Nachrichten europäischer Staatschefs ist kein diplomatischer Ausrutscher, sondern Machtdemonstration. Trump macht sichtbar, was in Davos sonst verborgen bleibt: Abhängigkeiten, Unterordnung, taktisches Lavieren.
Sein Auftritt ist weniger Rede als Signal. Wer Einfluss behalten will, muss sich positionieren. Neutralität ist keine Option mehr. Für viele Davos-Teilnehmer ist das eine neue Erfahrung – und eine unbequeme.
6. Die eigentliche Gefahr liegt abseits der Hauptbühne
Während sich Medien auf Trump konzentrieren, laufen Nebenprozesse nahezu unbeachtet weiter: technokratische Projekte, regulatorische Vorhaben, finanzielle Vernetzungen. Davos funktioniert weiterhin als Marktplatz der Vorabsprachen – nur ohne den früheren moralischen Überbau.
Gerade darin liegt die eigentliche Brisanz: Wenn Öffentlichkeit gebannt auf Personalisierung schaut, entzieht sich Strukturpolitik der Aufmerksamkeit.
7. Fazit: Davos bleibt – aber als Schatten seiner selbst
Das WEF 2026 ist kein Ort globaler Lösungen, sondern ein Spiegel der Machtverschiebung. Die westliche Elite ist noch präsent, aber nicht mehr tonangebend. Ihre Narrative verlieren an Zugkraft, ihre Institutionen an Autorität.
Trump wirkt dabei nicht als Ursache, sondern als Beschleuniger. Er zwingt Davos, sich von der Illusion moralischer Führung zu verabschieden. Übrig bleibt ein Forum, das weiter Netzwerke pflegt – aber ohne die Fähigkeit, die Weltordnung zu erklären oder zu gestalten.
Für kritische Öffentlichkeit gilt daher: Nicht die Hauptreden sind entscheidend, sondern das, was im Schatten beschlossen wird. Davos ist leiser geworden – aber nicht harmloser.
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