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Angriff auf die Normalität – wenn der Staat zuschaut und die Gesellschaft zahlt

  • Autorenbild: Thomas Tratnik
    Thomas Tratnik
  • 4. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Was in Berlin geschehen ist, lässt sich nicht mehr als technischer Zwischenfall oder bloße Sabotage relativieren. Der Angriff auf die Strominfrastruktur ist ein Angriff auf das gesellschaftliche Grundversprechen von Sicherheit, Versorgung und staatlicher Handlungsfähigkeit. Wer zehntausende Menschen im Winter von Strom, Wärme und Kommunikation abschneidet, greift nicht Leitungen an – sondern den Alltag, die Gesundheit und im Zweifel das Leben.

Der eigentliche Skandal liegt dabei nicht nur in der Tat selbst, sondern in der politisch-administrativen Reaktion. Oder genauer: in deren Abwesenheit.



Kritische Infrastruktur ist kein abstrakter Begriff

Stromausfall bedeutet nicht Dunkelheit allein. Er bedeutet:


  • Stillstand von Mobilität und Kommunikation

  • Abhängigkeit von Notstrom in Krankenhäusern

  • Isolation alter, kranker oder mobilitätseingeschränkter Menschen

  • Kollaps alltäglicher Versorgung


Dass ganze Stadtteile über Stunden und Tage in diesen Zustand geraten, ist kein Randereignis. Es ist ein Stresstest für den Staat, den Berlin sichtbar nicht bestanden hat.


Führungslücke statt Krisenmanagement

Wenn ein Krisenstab erst viele Stunden nach einem offensichtlichen Angriff zusammenkommt, ist das kein Zeichen von Besonnenheit, sondern von institutioneller Trägheit. Kommunikation wirkt ausweichend, Verantwortung diffundiert, Präsenz fehlt. In solchen Momenten entscheidet sich Vertrauen – und dieses Vertrauen wurde verspielt.


Politische Führung zeigt sich nicht in Pressestatements, sondern im sichtbaren Übernehmen von Verantwortung. Genau das blieb aus.


Ideologie ersetzt Sicherheit

Besonders brisant ist die ideologische Schieflage in der Bewertung solcher Taten. Während jede abstrakte Bedrohung aus anderen politischen Richtungen reflexartig maximal skandalisiert wird, herrscht bei Angriffen aus dem links-extremen Milieu auffällige Zurückhaltung. Das erzeugt den Eindruck einer asymmetrischen Wahrnehmung von Gewalt.


Wer Infrastruktur angreift, um ein politisches Ziel zu erzwingen, betreibt Terror – unabhängig davon, ob er sich auf Klima, Kapitalismuskritik oder „Solidarität“ beruft. Motive adeln keine Mittel.


Staatliche Blindstellen sind kein Zufall

Dass bekannte Täterstrukturen über Jahre hinweg agieren können, ohne effektiv zerschlagen zu werden, wirft unbequeme Fragen auf:


  • Priorisiert der Staat seine Ressourcen richtig?

  • Wird politischer Extremismus nach Gefährlichkeit oder nach ideologischer Nähe bewertet?

  • Schützt der Staat alle Bürger gleichermaßen – oder nur narrative Komfortzonen?


Ein Rechtsstaat verliert Autorität nicht durch Härte, sondern durch selektive Konsequenz.


Die gefährliche Normalisierung

Am bedenklichsten ist die schleichende Gewöhnung: Stromausfälle werden sprachlich verharmlost, Tätertexte relativiert, Verantwortung vertagt. Doch wer den Ausnahmezustand zur neuen Normalität erklärt, senkt bewusst die Erwartung an staatliche Leistung.

Das ist kein Fortschritt. Das ist Rückbau.


Fazit

Dieser Angriff richtet sich nicht gegen „Reiche“ oder „Systeme“, sondern gegen die Funktionsfähigkeit einer offenen Gesellschaft. Wer das relativiert, verlässt den Boden demokratischer Verantwortung.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wer den Brand gelegt hat. Sondern warum ein moderner Staat so schlecht darauf vorbereitet ist – und warum politische Führung in kritischen Momenten unsichtbar bleibt.


TTV Nachrichten steht für Klartext dort, wo Beschwichtigung beginnt. Denn Sicherheit ist keine Ideologiefrage – sie ist eine Führungsaufgabe.


 
 
 

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