Vom „Dark Age“ zum „Golden Age“: Trumps Kampf gegen die „Lords of Money“
- Thomas Tratnik

- vor 2 Tagen
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Hinter den täglichen Schlagzeilen zeichnet sich nach der Analyse von Susan Kokinda ein größerer politischer und wirtschaftlicher Konflikt ab. Im Zentrum stehen die neue Ausrichtung der US-Notenbank, die Offensive des Finanzministeriums gegen iranische Finanznetzwerke und Trumps Vision einer neuen amerikanischen Wachstums- und Raumfahrtpolitik. Kokindas zentrale These: Die USA versuchen, sich aus einem Finanzsystem zu lösen, das ihrer Auffassung nach zu stark von spekulativem Kapital und finanziellen Eliten geprägt wurde, und den Blick wieder auf die reale Wirtschaft, Produktion und technologische Entwicklung zu richten.

Ein wichtiger Ausgangspunkt ist die Rede am 28. August 2926 des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh beim Jackson-Hole-Treffen. Warsh stellte laut Kokinda die Verantwortung der Federal Reserve für die über einen längeren Zeitraum erhöhte Inflation heraus und kritisierte insbesondere die sogenannte „Forward Guidance“. Gemeint ist damit die Praxis, Märkten frühzeitig Signale über die voraussichtliche Geldpolitik zu geben. Für Finanzmarktteilnehmer kann diese Vorhersehbarkeit einen erheblichen Vorteil darstellen, weil sie ihre Entscheidungen entsprechend ausrichten können. Warsh stellte sich nach dieser Darstellung gegen ein System, in dem Marktteilnehmer vor allem darauf warten, was die Notenbank als Nächstes tun wird. Besonders bemerkenswert ist dabei seine Aussage, dass die größten Kosten eines solchen Systems diejenigen treffen könnten, die über wenig oder keine finanziellen Vermögenswerte verfügen.
Kokinda interpretiert diesen Kurs als Versuch, den Einfluss der Federal Reserve auf die Finanzmärkte zurückzunehmen und die Aufmerksamkeit wieder stärker auf die reale Wirtschaft zu lenken. Ihre Kritik geht allerdings deutlich weiter: Sie beschreibt die internationalen Finanzstrukturen als ein System, in dem spekulative Kapitalströme, Finanzgeschäfte und teilweise auch illegale Geldflüsse eine größere Rolle spielen, als öffentlich diskutiert wird. Diese Interpretation ist ihre politische Bewertung der Vorgänge und nicht automatisch eine nachgewiesene Beschreibung des gesamten globalen Finanzsystems.
Noch deutlicher wird die geopolitische Dimension bei Finanzminister Scott Bessent und der angekündigten „Operation Economic Outcast“. Nach der Darstellung im Ausgangsmaterial soll das US-Finanzministerium systematisch Finanznetzwerke ins Visier nehmen, die dem Iran bei der Umgehung von Sanktionen und bei Geldwäsche helfen. Bemerkenswert ist dabei eine Aussage Bessents auf die Frage, warum entsprechende Sanktionen nicht sofort umgesetzt würden. Er verwies darauf, dass ein abruptes Vorgehen das globale Finanzsystem gefährden könnte. Kokinda macht daraus eine weitreichende Schlussfolgerung: Wenn einzelne Finanzstrukturen so stark miteinander verflochten sind, dass das Abschalten bestimmter Akteure das gesamte System destabilisieren könnte, zeigt dies nach ihrer Auffassung die Verwundbarkeit der bestehenden Ordnung.
Hinzu kommt die Frage nach Energie und geopolitischer Macht. Kokinda verbindet die Iran-Politik, die Bedeutung der Straße von Hormus, die Rolle der OPEC und die angekündigte Zusammenarbeit mit Venezuela zu einem größeren strategischen Bild. Nach ihrer Interpretation versucht die Trump-Regierung, die Bedeutung bisheriger Energie- und Finanzstrukturen zu reduzieren und gleichzeitig neue Quellen für wirtschaftliches Wachstum und Energieversorgung zu erschließen. Gerade hier zeigt sich, wie eng Energiepolitik, Außenpolitik und Finanzsystem miteinander verbunden sind.
Der dritte Baustein ihrer Argumentation führt weg von Wall Street und hinein in den Weltraum. Beim Besuch am 28. August 2026 des Johnson Space Center stellte Trump nach der Darstellung Kokindas eine neue amerikanische Raumfahrtvision vor und kündigte die Einrichtung einer United States Space Academy an. Raumfahrt wird dabei nicht lediglich als wissenschaftliches Prestigeprojekt verstanden. Sie soll neue Technologien, wirtschaftliche Möglichkeiten, nationale Sicherheit und die Ausbildung einer neuen Generation von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Unternehmern miteinander verbinden.
Kokinda bezeichnet den bisherigen Zustand als „Dark Age“ – eine Epoche begrenzter Wachstumsmöglichkeiten, in der eine Gesellschaft ihre eigenen technologischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten beschränkt. Dem stellt sie Trumps Vorstellung eines „Golden Age“ gegenüber: eine Gesellschaft, die wieder in neue Technologien, Produktion, Energie und Raumfahrt investiert und damit neue wirtschaftliche Räume erschließt.
Damit verbindet sich eine politische Grundidee, die über einzelne Maßnahmen hinausgeht. Wenn wirtschaftliche Stärke ausschließlich über Finanzmärkte, Schulden und Vermögenspreise definiert wird, entsteht eine Wirtschaft, in der diejenigen mit großen Finanzvermögen überproportional profitieren können. Wenn dagegen Produktion, Energie, Technologie und wissenschaftlicher Fortschritt wieder stärker in den Mittelpunkt rücken, könnte sich wirtschaftliche Macht anders verteilen.
Ob diese Vision tatsächlich funktioniert, ist eine andere Frage. Auch eine stärkere Orientierung an Industrie, Energie und technologischer Entwicklung garantiert nicht automatisch Wohlstand für alle. Ebenso bleibt offen, ob die Maßnahmen der Trump-Regierung tatsächlich zu einer nachhaltigen Veränderung der internationalen Finanzordnung führen oder lediglich bestehende Machtstrukturen neu ordnen.
Doch genau darin liegt die größere Bedeutung der beschriebenen Entwicklungen. Der eigentliche Konflikt könnte weniger zwischen einzelnen Parteien oder einzelnen Ländern verlaufen, sondern zwischen zwei unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie wirtschaftliche Macht organisiert sein sollte: über Finanzstrukturen und Kapitalströme – oder über reale Produktion, Energie, Technologie und menschliche Fähigkeiten.
Vom Finanzministerium über die Federal Reserve bis zum Johnson Space Center zieht sich damit ein gemeinsamer Gedanke: Wirtschaftliche Stärke soll wieder stärker aus dem entstehen, was eine Gesellschaft tatsächlich produziert, entwickelt und erschließt – und weniger aus der Fähigkeit, Geldströme zu kontrollieren.
Ob daraus tatsächlich ein amerikanisches „Golden Age“ entsteht, wird die Zukunft zeigen. Sicher ist nur: Der Kampf um die wirtschaftliche Ordnung der kommenden Jahre dürfte weit größer sein als die einzelnen Schlagzeilen vermuten lassen. Quelle: Susan Kokinda, „Dark Age to Golden Age: Trump’s Team Disarms the Lords of Money“. Die im Artikel dargestellten Zusammenhänge, Bewertungen und Zukunftsszenarien geben die politische Analyse und Interpretation der Autorin wieder und sind entsprechend als solche einzuordnen.
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