Trump empfängt Selensky und Netanjahu – zwei Kriege, ein Machtzentrum
- Thomas Tratnik

- vor 18 Stunden
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Zwei Staatschefs, zwei Kriege, ein Präsident: Donald Trump empfing am 28. Juli innerhalb weniger Stunden den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selensky und Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus. Offiziell verliefen beide Gespräche „positiv und produktiv“. Doch gerade die auffällige Zurückhaltung über konkrete Ergebnisse macht die Treffen politisch interessant: Washington versucht gleichzeitig, Einfluss auf zwei Kriege zu nehmen, in die die USA selbst tief verstrickt sind.

Selensky: Waffen und Diplomatie gleichzeitig
Das Gespräch zwischen Trump und Selensky dauerte rund eine Stunde. Selensky erklärte anschließend, es sei ein gutes Treffen gewesen. Nach übereinstimmenden Berichten ging es unter anderem um eine stärkere ukrainische Luftverteidigung und um Lizenzen zur Produktion von Patriot-Abfangraketen. Gleichzeitig wurde über eine Wiederbelebung diplomatischer Bemühungen gesprochen.
Genau darin zeigt sich das Dilemma der amerikanischen Ukraine-Politik: Washington spricht über Frieden und Diplomatie, während gleichzeitig die militärische Handlungsfähigkeit der Ukraine gestärkt werden soll. Beides muss sich nicht grundsätzlich widersprechen – militärische Stärke kann aus Sicht Washingtons die Verhandlungsposition Kiews verbessern. Doch daraus entsteht eine entscheidende Frage: Dienen weitere Waffen tatsächlich dazu, Verhandlungen zu ermöglichen, oder verlängern sie zunächst einen Krieg, dessen politisches Endziel immer schwerer zu definieren ist?
Berichte, wonach Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner nach Kiew reisen könnten, deuten zumindest darauf hin, dass hinter den Kulissen neue diplomatische Kanäle ausgelotet werden. Ob daraus konkrete Verhandlungen entstehen, ist bislang offen.
Netanjahu: Iran bestimmt die Agenda
Nur wenige Stunden später saß Benjamin Netanjahu im Oval Office. Dieses Gespräch dauerte rund anderthalb Stunden. Netanjahu bezeichnete es anschließend als eines seiner besten Treffen mit Trump. Nach Angaben aus seinem Umfeld bestand Einigkeit darüber, Iran am Erwerb einer Atomwaffe hindern zu wollen.
Doch das Treffen fand vor einem deutlich schwierigeren Hintergrund statt. Trump hatte bereits vor dem Gespräch erkennen lassen, dass zwischen Washington und Jerusalem Differenzen über den weiteren Umgang mit Iran bestehen. Während Israel auf die iranische Bedrohung und insbesondere auf das Atomprogramm verweist, versucht Trump zugleich, die Möglichkeit diplomatischer Gespräche offenzuhalten. Gleichzeitig droht Washington weiterhin mit militärischen Schritten, falls diese Diplomatie scheitert.
Damit geht es längst nicht mehr allein um das Verhältnis zwischen Israel und Iran. Eine weitere Eskalation könnte Energiepreise, Handelswege und die Sicherheitsarchitektur des gesamten Nahen Ostens beeinflussen. Der Konflikt besitzt damit unmittelbare globale wirtschaftliche und geopolitische Auswirkungen.
Das eigentlich Bemerkenswerte: Trump sitzt an beiden Tischen
Auf den ersten Blick haben der Krieg in der Ukraine und der Konflikt mit Iran wenig miteinander zu tun. Strategisch gibt es jedoch eine entscheidende Verbindung: In beiden Fällen sind die Vereinigten Staaten der zentrale externe Machtfaktor.
Die Ukraine ist bei wichtigen militärischen Fähigkeiten weiterhin auf amerikanische Unterstützung angewiesen. Israel wiederum verfügt zwar über erhebliche eigene militärische Kapazitäten, doch die strategische Partnerschaft mit Washington bleibt für seine Sicherheitspolitik von zentraler Bedeutung.
Genau hier liegt der größere Zusammenhang dieser beiden Treffen. Trump versucht nicht lediglich, zwei Krisen gleichzeitig zu verwalten. Er positioniert Washington erneut als Schaltstelle, ohne die zentrale Entscheidungen über Krieg, Waffen, Sanktionen und mögliche Verhandlungen kaum getroffen werden können.
Das verschafft den USA enorme Macht – aber auch enorme Verantwortung.
Frieden als Ziel – oder als Verhandlungsinstrument?
Das Weiße Haus bezeichnete beide Treffen anschließend als „positiv und produktiv“. Konkrete Ergebnisse wurden zunächst kaum genannt.
Diese diplomatische Sprachregelung lässt Raum für unterschiedliche Interpretationen. Möglich ist, dass tatsächlich vertrauliche Verhandlungen vorbereitet werden. Ebenso möglich ist, dass Washington zunächst Optionen offenhalten will: militärische Unterstützung hier, diplomatischer Druck dort – und jederzeit die Möglichkeit, die amerikanische Position neu auszurichten.
Trump hat Außenpolitik schon häufig als Verhandlung verstanden, bei der Unsicherheit selbst Teil der Strategie ist. Partner wie Gegner sollen möglichst lange nicht genau wissen, wo die endgültige amerikanische Grenze verläuft.
Doch bei Kriegen ist diese Methode riskanter als bei Handelsverhandlungen. Hinter jeder taktischen Verschiebung stehen Menschenleben, wirtschaftliche Schäden und die Gefahr einer weiteren Eskalation.
Fazit
Die Treffen mit Selensky und Netanjahu zeigen vor allem eines: Trotz aller Diskussionen über eine multipolare Welt bleibt Washington bei den derzeit entscheidenden Konflikten ein Machtzentrum, an dem kaum ein Weg vorbeiführt.
Die entscheidende Frage wird deshalb nicht sein, ob Trump gute Gespräche geführt hat. Sie lautet, ob die USA ihre Macht nutzen, um Kriege tatsächlich einem Ende näherzubringen – oder um ihre Position innerhalb dieser Kriege neu zu definieren.



