Neue US-Dokumente belasten Drosten
- Thomas Tratnik

- vor 6 Tagen
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Die Diskussion über den Ursprung der Corona-Pandemie erhält durch neue Veröffentlichungen aus den USA neue Dynamik.

Im Mittelpunkt stehen interne Slack-Nachrichten führender Virologen, die im Zusammenhang mit den Untersuchungen des republikanischen US-Senators Rand Paul veröffentlicht wurden. Die Dokumente werfen Fragen darüber auf, welche Informationen führende Wissenschaftler bereits zu Beginn der Pandemie über die Forschung am Wuhan Institute of Virology hatten – und wie diese Erkenntnisse später öffentlich dargestellt wurden.
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf den deutschen Virologen Christian Drosten. Er hatte in einem Interview erklärt, zum Zeitpunkt seiner Unterstützung des im Fachjournal The Lancet veröffentlichten offenen Briefes keine Kenntnis über bestimmte Gain-of-Function-Projekte am Wuhan-Institut gehabt zu haben. Nach seinen Angaben seien er und andere Wissenschaftler über diese Forschungsprojekte nicht informiert gewesen. Hätte er davon gewusst, so erklärte Drosten, hätte er vor seiner Unterschrift weitere Fragen gestellt.
Interne Nachrichten werfen neue Fragen auf
Die nun veröffentlichten internen Nachrichten zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Zwar war Drosten selbst an dem dokumentierten Slack-Austausch nicht beteiligt, jedoch äußerte sich dort der US-Virologe Kristian Andersen, der gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern an einer entscheidenden Telefonkonferenz Anfang Februar 2020 teilgenommen hatte. Auf Drostens spätere Darstellung reagierte Andersen mit den Worten: „Das ist schwer zu glauben. Natürlich haben wir bei der Telefonkonferenz darüber gesprochen.“
Damit steht weniger die Frage im Raum, ob Drosten selbst an den internen Chats beteiligt war, sondern vielmehr, welchen Kenntnisstand die Teilnehmer der damaligen wissenschaftlichen Beratungen tatsächlich besaßen. Die jetzt veröffentlichten Dokumente legen nahe, dass mögliche Laborforschung in Wuhan bereits früh Gegenstand intensiver Diskussionen innerhalb dieses Wissenschaftlerkreises gewesen sein könnte.
Die Bedeutung des Lancet-Briefes
Die Bedeutung dieser Debatte reicht weit über persönliche Aussagen einzelner Wissenschaftler hinaus. Im Februar 2020 veröffentlichten mehrere renommierte Forscher den offenen Lancet-Brief, in dem Spekulationen über einen nicht natürlichen Ursprung des Coronavirus als Verschwörungstheorien bezeichnet wurden. Dieses Schreiben beeinflusste die weltweite öffentliche Wahrnehmung erheblich und galt über lange Zeit als wissenschaftliche Grundlage für die Annahme eines natürlichen Ursprungs des Virus.
In den folgenden Jahren änderte sich jedoch die Lage. Immer mehr Informationen über Forschungskooperationen zwischen der US-Organisation EcoHealth Alliance und dem Wuhan Institute of Virology wurden bekannt. Gleichzeitig bestätigten veröffentlichte Projektunterlagen, dass in Wuhan an Coronaviren geforscht wurde und genetische Veränderungen an Fledermausviren Bestandteil einzelner Forschungsprojekte waren. Welche Bedeutung diese Arbeiten für den Ursprung von SARS-CoV-2 tatsächlich hatten, ist bis heute wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.
Aufarbeitung in den USA
Parallel dazu laufen in den Vereinigten Staaten umfangreiche Untersuchungen. Senator Rand Paul wirft dem ehemaligen NIAID-Direktor Anthony Fauci vor, den Kongress über Art und Umfang der geförderten Forschung unzutreffend informiert zu haben. Die jetzt veröffentlichten Slack-Nachrichten sind Teil dieser politischen und wissenschaftlichen Aufarbeitung.
Ob die neuen Dokumente tatsächlich einen Widerspruch zu Drostens früheren Aussagen belegen oder lediglich unterschiedliche Erinnerungen an interne Gespräche dokumentieren, dürfte Gegenstand weiterer Diskussionen bleiben. Fest steht jedoch, dass die Veröffentlichungen den Ruf nach größerer Transparenz über wissenschaftliche Entscheidungsprozesse während der frühen Pandemiephase erneut verstärken.
Fazit
Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie eng Wissenschaft, Politik und öffentliche Kommunikation miteinander verflochten sind. Gerade deshalb wird die vollständige Aufarbeitung der damaligen Entscheidungen von vielen als Voraussetzung angesehen, um Vertrauen in wissenschaftliche Beratung und staatliches Krisenmanagement langfristig wieder zu stärken.

