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Maduro ist kein Missverständnis – er ist das Ergebnis jahrelanger Wegschaupolitik

  • Autorenbild: Thomas Tratnik
    Thomas Tratnik
  • 4. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Man muss Nicolás Maduro nicht mögen. Man muss ihn auch nicht verteidigen. Vor allem aber sollte man eines nicht tun: ihn als normalen Staatschef behandeln, dem Unrecht widerfährt. Genau diese semantische Verharmlosung ist Teil des Problems.



Maduro steht nicht für ein politisches Lager, sondern für ein System organisierter Verantwortungslosigkeit, in dem Staat, Sicherheitsapparat und kriminelle Ökonomie ineinander übergehen. Wer demonstriert hat, wurde verhaftet. Wer widersprochen hat, wurde ausgeschaltet. Wer bleiben wollte, hatte oft keine ökonomische Überlebensperspektive. Das ist kein ideologischer Streit – das ist ein Managementversagen auf Kosten eines ganzen Landes.


Die internationale Gemeinschaft hat dieses System über Jahre nicht gelöst, sondern verwaltet: mit Appellen, Gesprächsformaten und ritualisierten Mahnungen. Das Ergebnis ist bekannt. Venezuela ist heute kein gescheiterter Staat, sondern ein entleerter – wirtschaftlich, institutionell, menschlich.

Wenn nun reflexhaft Empörung über Machtpolitik geäußert wird, lohnt ein Perspektivwechsel:Für viele Venezolaner ist nicht das Eingreifen das Problem, sondern die 25 Jahre zuvor. Die eigentliche Grenzüberschreitung war nicht eine mögliche Eskalation, sondern die dauerhafte Akzeptanz eines Regimes, das sich über Recht, Wahlurne und Menschenwürde hinwegsetzte.


Besonders irritierend ist die moralische Selbstgewissheit aus jenen Hauptstädten, die Stabilität predigen, aber Stillstand geliefert haben. Völkerrecht ist ein hohes Gut – doch es verliert an Autorität, wenn es ausschließlich dann beschworen wird, wenn bestehende Machtverhältnisse infrage stehen, nicht aber, wenn diese Macht systematisch missbraucht wird.


Maduro ist kein Symbol antiimperialistischer Standhaftigkeit. Er ist das Endprodukt einer gescheiterten Strategie, die Diktaturen mit Dialog zähmen wollte und dabei deren Opfer übersehen hat. Wer heute vor allem über Verfahren spricht, ohne über Ursachen zu reden, betreibt politische Kosmetik.


Klare Haltung heißt: Nicht jede Maßnahme ist automatisch legitim. Aber nicht jede Empörung ist automatisch glaubwürdig.

Vielleicht ist es an der Zeit, weniger über die Würde von Diktatoren zu sprechen – und mehr über die verlorene Würde jener Menschen, die unter ihnen gelebt haben.


TTV Nachrichten kommentiert nicht, um zu gefallen. Sondern um einzuordnen, wo andere ausweichen.


 
 
 

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