Wie Europas Migrationspolitik ihre eigenen Grenzen untergräbt
- Thomas Tratnik

- vor 4 Stunden
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Europa diskutiert über Grenzschutz – und gleichzeitig wächst ein System, das Migration organisiert, finanziert und politisch absichert. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wer nach Europa kommt, sondern wer die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen dafür geschaffen hat.

Das Bild von der „Festung Europa“ gehört zum festen Vokabular der Migrationsdebatte. Doch die Realität ist widersprüchlicher: Während die EU ihre Außengrenzen schützen und irreguläre Migration begrenzen will, existiert gleichzeitig ein dichtes Geflecht aus staatlichen Stellen, europäischen Programmen und Nichtregierungsorganisationen, das Migranten unterstützt und ihre Versorgung organisiert.
Damit entsteht ein strukturelles Problem: Die Politik versucht, die Folgen einer Migration zu begrenzen, ohne die politischen Anreize und finanziellen Strukturen dahinter grundlegend zu verändern.
Von Merkel zu Sánchez
Besonders deutlich wird dieser Konflikt beim Blick auf Deutschland und Spanien. Die deutsche Migrationspolitik von 2015 veränderte die europäische Debatte nachhaltig. Bemerkenswert bleibt dabei die spätere Auskunft der Bundesregierung, dass die damalige Entscheidung zur Grenzpolitik nicht durch eine schriftliche Anordnung des Bundesinnenministeriums erfolgte, sondern der Präsident des Bundespolizeipräsidiums am 13. September 2015 mündlich informiert wurde.
Heute verfolgt Spanien unter Ministerpräsident Pedro Sánchez einen migrationspolitischen Kurs, der ebenfalls auf eine stärkere Integration und Regularisierung von Migranten setzt. Für Kritiker ist das eine Fortsetzung einer Politik, die humanitäre Motive über die langfristigen gesellschaftlichen und fiskalischen Folgen stellt.
Dabei ist die entscheidende Frage nicht, ob Migration grundsätzlich „gut“ oder „schlecht“ ist. Entscheidend ist, ob ein Staat noch in der Lage ist, selbst zu bestimmen, wer einwandern darf, unter welchen Voraussetzungen Menschen bleiben können und wer die daraus entstehenden Kosten trägt.
Humanität braucht Grenzen
Eine funktionierende Asylpolitik muss zwischen Schutzbedürftigen, regulärer Einwanderung und illegaler Einreise unterscheiden können. Wo diese Kategorien politisch miteinander vermischt werden, verliert der Staat seine Steuerungsfähigkeit.
Auch Nichtregierungsorganisationen spielen dabei eine ambivalente Rolle. Sie können wichtige humanitäre Aufgaben übernehmen. Gleichzeitig stellt sich die demokratische Frage, wie öffentliche Gelder eingesetzt werden und ob Organisationen, die eine bestimmte migrationspolitische Agenda vertreten, dauerhaft aus staatlichen Mitteln finanziert werden sollten.
Humanität darf nicht bedeuten, dass der Staat seine eigenen Regeln aufgibt.
Die Rechnung kommt später
Die eigentliche politische Auseinandersetzung beginnt deshalb erst nach der Einreise: bei Wohnraum, Sozialleistungen, Bildung, Gesundheitsversorgung, Integration und innerer Sicherheit.
Diese Kosten verschwinden nicht. Sie werden über öffentliche Haushalte finanziert – und damit letztlich von den Steuerzahlern getragen.
Das bedeutet nicht, dass jeder Migrant eine Belastung darstellt. Es bedeutet aber, dass eine verantwortungsvolle Politik die ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen ihrer Entscheidungen offen benennen muss.
Europa braucht deshalb keine ideologischen Lager, die sich gegenseitig mit Begriffen wie „Festung“ oder „Menschenfeindlichkeit“ überziehen. Es braucht eine kontrollierte, rechtssichere und finanzierbare Migrationspolitik.
Denn eine Grenze ist nicht automatisch unmenschlich.
Eine Grenze ist zunächst die Voraussetzung dafür, dass ein Staat überhaupt entscheiden kann, wem er Schutz gewährt, wen er aufnimmt – und wo seine Möglichkeiten enden.


