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Trump und Xi: Beginnt mit dem Treffen der beiden Präsidenten eine neue Phase der Weltpolitik?

vor 49 Minuten
4 Min. Lesezeit

Wenn Donald Trump und Xi Jinping heute im Weißen Haus zusammentreffen, geht es um weit mehr als um Zölle, Handelsabkommen oder einzelne Streitfragen. Die Begegnung der Präsidenten der USA und Chinas fällt in eine Zeit, in der sich die internationale Ordnung sichtbar verändert. Während in New York die Vereinten Nationen um ihre politische Handlungsfähigkeit ringen, treffen sich in Washington die beiden Staatschefs der größten Volkswirtschaften der Welt. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Verändert dieses Treffen nicht nur das Verhältnis zwischen Washington und Peking, sondern auch die Art und Weise, wie internationale Politik künftig organisiert wird?



Xi Jinping ist erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder zu einem Staatsbesuch in Washington. Für beide Seiten ist es bereits das zweite persönliche Treffen in diesem Jahr. Nach dem Gipfel in Peking im Mai haben sich die Beziehungen wirtschaftlich etwas stabilisiert. Ein Handelskonflikt, der zuvor mit gegenseitigen Strafzöllen von teilweise mehr als 100 Prozent eskaliert war, wurde durch eine vorläufige Vereinbarung entschärft. Diese Handelsruhe soll nach jüngsten Angaben bis Januar verlängert werden, um Zeit für weitergehende Verhandlungen zu gewinnen.


Damit ist jedoch keineswegs eine strategische Verständigung zwischen den USA und China erreicht. Im Gegenteil: Hinter der diplomatischen Annäherung bleibt die Konkurrenz um Technologie, wirtschaftliche Macht und geopolitischen Einfluss bestehen. Genau darin liegt die Bedeutung dieses Treffens. Trump und Xi versuchen offenbar nicht, ihre grundlegenden Gegensätze aufzulösen. Sie versuchen vielmehr, einen Zustand zu schaffen, in dem diese Gegensätze kontrollierbar bleiben.


Besonders deutlich wird das beim Thema künstliche Intelligenz. Beide Staaten betrachten KI als wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Schlüsselbereich. Gleichzeitig konkurrieren sie um technologische Führungspositionen. Washington will seinen technologischen Vorsprung schützen und setzt weiterhin auf Exportkontrollen, während Peking seine eigene technologische Entwicklung vorantreibt. Gespräche über einen Mechanismus zur Kommunikation über KI-Risiken könnten deshalb ein Beispiel für eine neue Form internationaler Zusammenarbeit sein: Kooperation dort, wo eine unkontrollierte Eskalation beiden Seiten schaden würde – Konkurrenz dort, wo strategische Vorteile auf dem Spiel stehen. 


Noch sensibler ist Taiwan. Für China ist die Insel eine zentrale Frage nationaler Souveränität, während die USA Taiwan politisch und militärisch unterstützen. Auch bei diesem Treffen dürfte deshalb deutlich werden, wo die Grenzen einer möglichen Annäherung liegen. Peking möchte den amerikanischen Einfluss und die militärische Unterstützung Taiwans begrenzen; Washington wiederum muss zwischen Abschreckung, strategischer Konkurrenz und dem Interesse an stabilen Beziehungen zu China abwägen.


Hinzu kommt der Konflikt mit Iran. China unterhält enge wirtschaftliche Beziehungen zu Teheran und ist ein wichtiger Abnehmer iranischen Öls. Washington wiederum versucht, wirtschaftlichen und politischen Druck auf Iran aufrechtzuerhalten. Für Trump könnte Xi deshalb auch als möglicher Gesprächskanal nach Teheran interessant sein. Gleichzeitig muss Peking entscheiden, wie weit es bereit ist, amerikanische Interessen zu berücksichtigen, ohne seine eigenen Beziehungen zu Iran zu beschädigen.


Bemerkenswert ist dabei der politische Rahmen dieses Treffens. Während die UN-Generalversammlung in New York tagt, sitzen Trump und Xi in Washington zusammen. Reuters bezeichnet diese Situation als eine Art „diplomatic split screen“ und verweist auf die wachsenden Zweifel an der Fähigkeit der Vereinten Nationen, bei zentralen internationalen Konflikten Entscheidungen herbeizuführen. Das bedeutet nicht, dass die UN ihre Bedeutung verloren hätte. Aber es zeigt, dass die großen Machtzentren zunehmend auch außerhalb multilateraler Institutionen nach Lösungen suchen.


Genau hier könnte eine neue Phase der Weltpolitik entstehen. Nicht unbedingt als formelle „G2-Welt“, in der Washington und Peking gemeinsam über die Welt entscheiden. Dafür sind ihre Interessen zu unterschiedlich und die Konfliktlinien zu tief. Aber möglicherweise entsteht eine internationale Ordnung, in der die direkte Verständigung zwischen den großen Machtzentren wieder stärker an Bedeutung gewinnt – während internationale Institutionen gleichzeitig um Einfluss und Handlungsfähigkeit kämpfen.


Für Europa ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung. Wenn die USA und China ihre Beziehungen stabilisieren, kann das die Weltwirtschaft und internationale Lieferketten entlasten. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass europäische Interessen bei einer stärkeren bilateralen Verständigung zwischen Washington und Peking weniger Gewicht erhalten. Europa wäre dann nicht automatisch Teil der entscheidenden Verhandlungen, obwohl Handels-, Technologie-, Sicherheits- und Energiefragen unmittelbare Auswirkungen auf den Kontinent haben.


Deshalb sollte dieses Treffen nicht allein daran gemessen werden, ob Trump und Xi am Ende neue Handelsvereinbarungen präsentieren. Entscheidend ist vielmehr, welches Verhältnis zwischen Kooperation und Konkurrenz sie etablieren. Ein dauerhafter Ausgleich ist ebenso wenig erkennbar wie eine Beendigung der strategischen Rivalität. Was sich jedoch abzeichnet, ist der Versuch, diese Rivalität zu managen, ohne sie in eine offene Konfrontation eskalieren zu lassen.


Vielleicht beginnt mit Trump und Xi deshalb keine völlig neue Weltordnung. Aber möglicherweise beginnt eine neue Phase des internationalen Machtspiels: weniger geprägt von der Vorstellung einer einzigen dominierenden Weltmacht und stärker von der direkten Aushandlung zwischen mehreren Machtzentren. Das Treffen in Washington ist dafür ein wichtiges Signal – seine tatsächliche Bedeutung wird sich allerdings erst daran zeigen, was aus den Vereinbarungen und Gesprächskanälen der kommenden Monate wird.


TTV Einordnung: Das Treffen von Trump und Xi ist vor allem deshalb relevant, weil wirtschaftliche Zusammenarbeit und strategische Rivalität inzwischen gleichzeitig stattfinden. Ob daraus eine dauerhafte Stabilisierung der Beziehungen entsteht oder lediglich eine weitere Phase taktischer Entspannung, lässt sich heute noch nicht abschließend beurteilen.


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