Egal, wer mordet: Schuld sind immer die „Rechten“
- Thomas Tratnik

- 27. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Der Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin hat erneut ein bekanntes Muster offengelegt. Ein polizeibekannter Islamist fährt mit einem Transporter in eine Menschenmenge, tötet eine Frau und verletzt Dutzende – und die politische und mediale Reaktion dreht sich innerhalb von Stunden um die eigentliche Gefahr herum. Die Schuldfrage wird verschoben. Nicht der Täter und seine Ideologie stehen im Zentrum, sondern „die Rechten“ und die AfD.

Die Fakten und ihre Umdeutung
Abdul B. war den Behörden als islamistischer Gefährder bekannt. Er hatte 2025 einen staatsgefährdenden Anschlag geplant, war verurteilt worden und auf Bewährung freigelassen. Er galt als IS-Sympathisant. Die Behörden wussten von seiner Radikalisierung. Dennoch konnte er freilaufen und zuschlagen. Nach der Tat wurde er von der Polizei erschossen.
Die Reaktion vieler linker und öffentlich-rechtlicher Stimmen folgte dennoch einem festen Schema. Noch bevor die Opfer vollständig versorgt waren, wurde die Bedrohung der queeren Community vor allem „von rechts“ verortet. Reporterinnen erklärten, die Community fühle sich „natürlich vor allen Dingen von rechten Kräften bedroht“. Die Tagesschau sprach zunächst von einem „Fahrzeug“, das in eine Menschenmenge gerast sei – als habe der Transporter von selbst gehandelt. Das Wort „Islamismus“ wurde in vielen Stellungnahmen von Spitzenpolitikern vermieden.
Das ideologische Schutzschild
Dieses Verhalten ist kein Zufall. In einem Weltbild, das den Islamismus entweder relativiert oder als Randerscheinung behandelt, darf die zentrale Bedrohung nicht aus dem eigenen Migrations- und Integrationsnarrativ stammen. Also wird umetikettiert: Islamistische Gewalt wird kurzerhand dem „rechten Spektrum“ zugeordnet. Auf Plattformen wie Bluesky finden sich Beiträge, die radikalisierte Religionsfanatiker mit misogyner und queerfeindlicher Ideologie pauschal als „rechtsextrem“ definieren. Die AfD wird gar in die Nähe islamistischer Netzwerke gerückt – eine Behauptung, die jeder Grundlage entbehrt, aber der inneren Logik der Echokammer entspricht.
Das Muster ist alt. Wenn die Realität dem ideologischen Rahmen widerspricht, wird die Realität angepasst. Ähnlich wie gescheiterte sozialistische Regime nachträglich als „rechts“ umgedeutet werden, weil Gewalt und Unterdrückung nur von rechts kommen dürften, wird islamistischer Terror umetikettiert, damit das eigene Weltbild intakt bleibt.
Doppelte Standards der Justiz
Der Kontrast zur Behandlung anderer Gruppen ist eklatant. Wegen Chatgruppen mit abstrusen Umsturzfantasien wurden vor Jahren sogenannte Reichsbürger in einer bundesweiten Großrazzia mit Tausenden Beamten festgenommen und sitzen teilweise bis heute ohne Urteil in Haft. Bekannte islamistische Gefährder hingegen erhalten Bewährungsstrafen, Deradikalisierungsgespräche und die Freiheit, erneut zuzuschlagen. Das Vertrauen in die Neutralität der Justiz leidet unter diesem Missverhältnis erheblich.
Die Kosten der Realitätsverweigerung
Die Weigerung, Islamismus klar zu benennen, hat Folgen. Sie schützt keine Minderheiten, sondern gefährdet sie. Die queere Community, die beim CSD angegriffen wurde, wird von genau jener Ideologie bedroht, die Homosexualität und westliche Lebensweisen als Feindbild betrachtet. Wer das ausblendet und stattdessen „rechts“ zum Hauptfeind erklärt, betreibt keine Solidarität, sondern ideologische Selbsttäuschung.
Solange Medien und Politik nach jedem islamistischen Anschlag dasselbe Ritual abspulen – Relativierung, Umdeutung, Ablenkung auf die AfD – wird sich nichts ändern. Die Täter kommen aus einem bekannten Milieu. Die Reaktionen auch. Die Opfer zahlen den Preis für ein Weltbild, das die Wirklichkeit nicht erträgt.
