Fauci schweigt 111-mal: Jetzt eskaliert die Corona-Aufarbeitung im US-Senat
- Thomas Tratnik

- 6. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Anthony Fauci hat sich bei seiner jüngsten Anhörung im US-Senat 111-mal auf den fünften Verfassungszusatz berufen und damit die Aussage verweigert, um sich nicht selbst belasten zu müssen. Nun hat der zuständige Senatsausschuss dafür gestimmt, ihn wegen Missachtung des Kongresses zur Verantwortung zu ziehen. Gleichzeitig befindet sich ein dienstliches iPhone Faucis aus der Pandemiezeit bei Senatsermittlern. Die Corona-Aufarbeitung in Washington erreicht damit eine neue Stufe – doch aus politischem Verdacht muss nun belastbarer Beweis werden.

Vom Gesundheitsberater zum Untersuchungsgegenstand
Fauci war während der Pandemie eine der mächtigsten Stimmen der amerikanischen Gesundheitspolitik. Heute untersuchen republikanische Senatoren Entscheidungen und interne Kommunikation aus genau dieser Zeit. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Ursprünge von SARS-CoV-2, die Finanzierung bestimmter Forschungsprojekte sowie die Frage, ob frühere Aussagen gegenüber dem Kongress mit inzwischen verfügbaren Unterlagen übereinstimmen.
Die Anhörung vom 29. Juli brachte jedoch kaum Antworten. Fauci machte wiederholt von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Das ist zunächst kein Schuldeingeständnis. Der fünfte Verfassungszusatz schützt jeden Zeugen davor, sich durch eigene Aussagen strafrechtlich zu belasten. Politisch ist die Situation dennoch bemerkenswert: Ein Mann, der jahrelang öffentlich für Transparenz und wissenschaftliche Autorität stand, verweigert heute Antworten auf zentrale Fragen zur damaligen Regierungsarbeit.
Das Fauci-Handy könnte wichtiger werden als die Anhörung
Noch interessanter als Faucis Schweigen könnte deshalb sein dienstliches Mobiltelefon werden. Das Gesundheitsministerium unter Robert F. Kennedy Jr. hat eine Kopie eines während der Pandemie verwendeten HHS-iPhones an den von Senator Ron Johnson geleiteten Untersuchungsausschuss übergeben. Zuvor hatten Ermittler bereits mehr als 1.000 Seiten aus Faucis persönlichen Aufzeichnungen erhalten. Ob und in welchem Umfang die Senatoren auf die Daten des Telefons zugreifen können, ist derzeit allerdings noch unklar.
Genau hier könnte sich entscheiden, ob aus einer politisch aufgeladenen Untersuchung tatsächlich substanzielle Aufklärung entsteht. Erinnerungen können verblassen, Aussagen können verweigert werden – zeitgenössische Nachrichten, Dokumente und Kommunikationsverläufe sind dagegen überprüfbar.
Sollten diese Unterlagen Widersprüche zwischen internen Einschätzungen und öffentlichen Aussagen dokumentieren, wäre das politisch erheblich. Sollten sie Faucis bisherige Darstellung bestätigen, müsste auch das akzeptiert werden. Aufarbeitung verdient diesen Namen nur, wenn ihr Ergebnis nicht bereits vor Beginn feststeht.
Bidens Begnadigung wird zum juristischen Problem
Zusätzliche Brisanz schafft die außergewöhnlich weit gefasste Begnadigung, die Joe Biden Fauci unmittelbar vor seinem Ausscheiden aus dem Amt erteilte. Sie umfasst mögliche Bundesdelikte zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 19. Januar 2025, sofern sie mit Faucis Tätigkeit beim NIAID oder seiner Arbeit in den Corona-Gremien des Weißen Hauses zusammenhängen.
Genau deshalb streiten die Senatoren nun darüber, wie weit Fauci sich überhaupt noch auf mögliche Selbstbelastung berufen kann. Eine Begnadigung beseitigt nicht automatisch jedes denkbare rechtliche Risiko – beispielsweise für Sachverhalte außerhalb ihres zeitlichen oder sachlichen Umfangs oder mögliche spätere Handlungen. Die rechtliche Frage ist deshalb komplizierter als die politische Formel: „Wer begnadigt wurde, kann sich nicht mehr auf den fünften Verfassungszusatz berufen.“
Der Ausschussvorsitzende Rand Paul will diese Frage nun offenbar durch das Justizministerium klären lassen.
Amerika macht das, was Europa weiterhin scheut
Der größere Zusammenhang liegt jedoch nicht allein bei Fauci.
Die Vereinigten Staaten führen inzwischen einen offenen institutionellen Konflikt über die Pandemiepolitik. Akten werden freigegeben, frühere Entscheidungsträger vorgeladen, interne Kommunikation untersucht und Behördenentscheidungen erneut überprüft.
Dieser Prozess ist parteipolitisch aufgeladen – daran besteht wenig Zweifel. Republikaner verfolgen Fauci seit Jahren mit großer Intensität. Gerade deshalb muss zwischen politischer Abrechnung und tatsächlicher Aufklärung unterschieden werden.
Doch das Gegenargument kann nicht lauten, man solle deshalb überhaupt nicht untersuchen.
Millionen Menschen waren von Schulschließungen, Kontaktbeschränkungen, Impfregeln und anderen staatlichen Eingriffen betroffen. Entscheidungen dieser Größenordnung verdienen nachträgliche Kontrolle unabhängig davon, welche Partei davon politisch profitieren könnte.
Fazit
Fauci ist nicht wegen Missachtung eines Gerichts verurteilt worden. Der Senatsausschuss hat vielmehr für eine Missachtungsresolution wegen seiner Aussageverweigerung gestimmt – ein wichtiger Unterschied. Ob daraus strafrechtliche Konsequenzen entstehen, ist offen.
Doch mit Faucis Aufzeichnungen und seinem damaligen Diensttelefon bekommt die Untersuchung eine neue Qualität. Die entscheidende Frage lautet jetzt nicht mehr, wem man in der Corona-Debatte glaubt. Entscheidend ist, was die Dokumente tatsächlich belegen – und ob die politischen Institutionen bereit sind, dieses Ergebnis auch dann zu akzeptieren, wenn es nicht ins eigene Narrativ passt.




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